Haus Justine

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Haus Justine

Cornelia wird den Gästen des Hauses zur Verfügung stehen, ihnen jeden Wunsch erfüllen und jedem Befehl gehorchen.

Im roten Kleid

Georg hielt Wort, überreichte ihr den ersten Band der »Silvia« am Montagvormittag. Es war ein dicker Packen Papier, durch einen Plastikrücken handlich gebunden und in eine Plastiktüte gepackt, der Diskretion halber. Geplagt verdrehte er die Augen. »Ich hab’s den halben Sonntag lang ausgedruckt mit meiner Katastrophe von Drucker.« Sie schenkte ihm ein dankbares Lächeln. Ob ihm ein paar Euro Druckkostenbeteiligung lieber gewesen wären? Nein, ihr Lächeln sei mehr wert als jedes Geld, sagte er, charmant, wie sie ihn nicht kannte, und sie drückte ihm einen Zwanzigeuroschein in die Hand, zu flink, als dass er es hätte abwehren können. Einen Moment sah es so aus, als wolle er ihr den Schein zurückgeben, dann aber steckte er ihn achselzuckend in die Tasche seiner schwarzen Cargohose. »Vielleicht kaufe ich eine Flasche Whisky und trinke sie auf dein Wohl, oder …« Hier verstummte er, war nicht bereit, das Ei zu legen, das sein Gackern angekündigt hatte. Aber gut, er war ja ein Hahn, konnte keine Eier legen. Sie waren ein seltsames Pärchen, nein, sie waren kein Pärchen, sie waren seltsame Menschen, jeder auf seiner eigenen Umlaufbahn. Über das Telefonat am Samstag verlor er kein Wort, noch ein Grund mehr, ihm dankbar zu sein, sie hätte nicht reden können und nicht reden wollen über ihre Gefühle im Sessel mit seiner Stimme im Ohr, es war unmöglich hier im tristen Gang zwischen den unendlich vielen Tonnen Karton, die alle Sinnlichkeit erstickten.
»Zeigst du meine Geschichten deinen Kolleginnen?« Besorgnis sprach aus seiner Frage.
»Auf keinen Fall. Sie würden es nicht verstehen und mich ziemlich komisch angucken.« Georg war erleichtert, auch er fürchtete um seinen Ruf, erstaunlich, denn gut angesehen war er sowieso nicht, der alte Mann, der es zu nichts gebracht hatte und so leise sprach, dass man ihn kaum verstand. »Georg  ich bin froh, dich zu kennen.«
»Und du bist für mich ein Engel.«
Einer seiner Kollegen brachte seinen Stapler am Ende des Gangs zum Stehen und schaute verwundert zu ihnen her, Helmut, ein massiger junger Mann mit breitem Kreuz, langem Haar und wenig geschmackvollen Tätowierungen auf den muskulösen Armen. Es war höchst ungewöhnlich, dass eine »Tussi vom Büro« mit einem Staplerfahrer turtelte, aber nein, sie turtelten nicht! Sie übergaben nur die geheimen Dokumente ihrer geheimen Welt und hatten sich eine kleine Sentimentalität erlaubt, konnte ja mal passieren.
Georg musste weiterhuschen, auf seinem Brett klemmten jede Menge Lieferscheine, die es alle noch heute abzuarbeiten galt, wie es aussah, kam er um Überstunden wieder einmal nicht herum. Er fuhr los und sie schaute ihm nach wie Carolin dem Mann, der mit dem Fahrrad wegradelte, allerdings steckte ihr Höschen nicht in seiner Tasche, wäre es schlimm gewesen? Wohl kaum, eher reizvoll; verträumt schleppte sie Silvia ins Büro und verstaute sie in der Schreibtischschublade.
»Du verstehst dich gut mit diesem Georg, nicht wahr?« Spitz klang Sibylles Feststellung und forschend schaute sie herüber. Natürlich blieb nichts verborgen hier in dem kleinen Betrieb, in dem der Karton Augen hatte und die Halle Ohren. Sibylles Urteil folgte der Frage sofort: »Er ist ein komischer Mann.«
»Ja, das ist er. Aber ich mag ihn irgendwie.«
»Und er bringt dir immer etwas mit?«
»Nein, nicht immer, nur manchmal.« Um der nächsten Frage zuvorzukommen, war wohl eine Erklärung notwendig. »Es sind nur Geschichten, die niemand lesen will, Literatur der seltsamen Art, komisch wie er selbst.«
»Ach so.«
Mehr an Erklärung wurde nicht verlangt, Literatur, dieses Wort brachte sogar eine Sibylle zum Schweigen.

***

Unaufhaltsam rückte er näher, der Dienstagabend, wie eine Weiche dem fahrenden Zug, der nicht zu bremsen war, einmal in Schwung gekommen immer weiter und weiter fuhr, ohne über das Ziel nachzudenken, was er gar nicht konnte, denn er war ja ein Zug und Züge denken nicht. Das Bangen überwog den Reiz, umso mehr, je näher die Stunde rückte, und überwog doch nicht, Cornelia meinte es nur, denn hätte es überwogen, wäre sie zu Hause geblieben, niemand zwang sie, zu gehen. Diese Gedanken aber wälzte sie nicht, sie dachte überhaupt nicht, tat nur, was sie zu tun hatte oder was sie glaubte, zu tun zu haben, sie stellte sich am Abend unter die Dusche, cremte sich von oben bis unten mit Hautmilch ein, legte ein dezentes Make-up auf und ein dunkles Parfüm, das für besondere Abende, das selten benutzte, bürstete das Haar, seufzte tief.
Das rote Kleid hing über einem Bügel im Bad bereit, hübsch sah es aus, sie hatte einen guten Kauf getan oder etwa einen unklugen Kauf, den sie besser unterlassen hätte? Sie befühlte den Stoff, er war glatt und geschmeidig, angenehm, verführerisch, aber für wen, sie hoffte nicht, dass eine andere Hand als die ihre darüberglitt, und hätte vielleicht doch nichts dagegen gehabt. Es wurde Zeit, sie durfte nicht zu spät kommen, aber wäre es so schlimm, war Pünktlichkeit im Café Marquis so wichtig wie im Büro? Wohl kaum, es waren andere Dinge von Bedeutung. Welche? Nein, sie dachte nicht, sie zog das Kleid an, es schmiegte sich schmeichlerisch an die nackte Haut wie eine zärtliche Liebkosung. Sie zog die kurze schwarze Jacke darüber, schlüpfte in die roten Schuhe mit hohen Absätzen, schaute noch einmal in den Spiegel, zupfte das Haar zurecht, an dem es nichts zurechtzuzupfen gab, schaute sich an wie eine hübsche Fremde, die den fremden Blicken doch eigentlich gefallen müsste, den Blicken, die sie begutachten würden, vielleicht wie eine Ware, deren Brauchbarkeit sie beurteilten, sie war fertig, konnte gehen.

Gerne wäre sie mit der Straßenbahn gefahren, doch wagte sie sich nicht unter all die Leute, so, wie sie war. Sie wussten es ja nicht, aber Cornelia wusste es und damit war es so, als würden es alle wissen, sie selbst bestimmte die Wirkung der fremden Blicke, ob sie wollte oder nicht. Sie fuhr mit dem Auto, war nach zehn Minuten beim Schloss, das gelbe Scheinwerfer aus der hellen Nacht der Stadt rissen, die auf keine große Tradition zurückblickte, noch weniger auf eine glanzvolle Geschichte. Sie war gegründet worden als Handelsplatz und gut gediehen, begünstigt durch den Binnenhafen am Zusammenlauf eines großen Stroms mit einem kleineren Fluss, es war eine Arbeiterstadt, stets grau geblieben, von keinen Touristen besucht, doch war es Cornelias Stadt, sie fühlte sich hier wohl, und noch immer bot sie Überraschungen, zum Beispiel dieses ominöse Café, das in ihrer Vorstellung ein geheimnisvoller Ort sein musste, der Eingang zu einer zwielichtigen Welt.
Sie fuhr am Schloss vorbei im lichten Verkehr, die übernächste …

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