Haus Justine

erotica ebooks by Juergen Bruno Greulich

Haus Justine

erotica ebooks by Juergen Bruno Greulich
erotica ebooks by Juergen Bruno Greulich

Haus Justine

Eine moderne Variation der Geschichte, wie eine junge, selbstständige Frau freiwillig zur Sklavin wird und ihre Erfüllung findet.

Das Erwachen der Träume

Cornelia wusste nicht, wie ihr geschah. Verträumt schaute sie aus den großen Fenstern des modernen Büros, wenig interessiert an ihrer Arbeit, die ihr öde und langweilig erschien und es wohl auch war. Draußen fuhr ein Sattelzug rückwärts an eine der drei Rampen oder versuchte es jedenfalls, er lief aus der Spur, musste rangieren, offenbar ein neuer Fahrer. Böiger Wind trieb dunkle Wolken über den grauen Himmel, es regnete und es gab wenig Erfreuliches draußen zu sehen, ein neu erschlossenes Industriegebiet, mittelständische Firmen in Gebäuden wie Schuhkartons, dahinter bewaldete Hügel mit welkem Septembergrün.
Sie sah das alles und sah es nicht, es gab ein anderes Bild vor Augen, es war obszön, abstoßend, faszinierend: sie sah diese Helen, das Geschöpf von Georgs Fantasie, im sogenannten Liebeszimmer eines exklusiven Bordells zwei Männern hingegeben, sah, wie sie sich keuchend zwischen ihnen wand mit schweißnasser Haut, ihren herablassenden Worten ausgesetzt und wie selbstverständlich bereit, sie in jeder ihrer Öffnungen zu empfangen. Weshalb ging ihr diese Frau nicht aus dem Kopf, wieso tauchten die Bilder immer wieder auf, seit sie dieser Helen begegnet war in Georgs Geschichte, die er ihr vor einigen Tagen sehr verlegen überreicht hatte, acht Seiten, von einer Heftklammer zusammengehalten. Und jedes Mal, wenn sie an diese Helen dachte, regte sich ganz insgeheim ein wohliges Kribbeln im Schoß, sehnsüchtig fast …
Ein Hüsteln schreckte sie auf. Es stammte von ihrem Chef, er stand neben ihr, schaute mahnend zu ihr herab. »Haben Sie schon die Angebote für die zwölf Tonnen GT II eingeholt? Sie wissen ja, dass sie übermorgen beim Kunden sein müssen.« Eigentlich war er ja ein angenehmer Mensch, kultiviert, um die fünfzig, nicht ohne Humor. Er war gepflegt gekleidet wie immer, dunkle Hose, braunes Sakko, weißes Hemd mit braunem Schlips, er duftete nach einem rauchigen Herrenparfüm, war mittelgroß, kräftig, hatte ein Wohlstandsbäuchlein und schütteres Haar um die hohe Stirn, war eher ein Hedonist denn eine Krämerseele, half aber nichts, denn natürlich musste die Arbeit erledigt werden, damit es ihm nicht am Geld für seine Sinnenlust mangele.
»Ich bin dabei, es wird nicht mehr lange dauern.« Eifrig rief sie auf dem Bildschirm das Adressbuch der Lieferanten auf, um das Rundschreiben nun endlich loszuschicken, und mit einem nachsichtigen Lächeln ging der Herr Renner in sein Büro zurück. Helens Bild war verschwunden, Cornelia las noch einmal den kurzen Text durch und wünschte sich, dass ihr Leben ein bisschen aufregender sei. War sie mit ihren dreiundzwanzig Jahren nicht viel zu jung für die tägliche Monotonie des Büros, gab es nicht viele unbekannte Dinge zu entdecken, die reizvoll waren, spannend, aufregend, sollte sie hier ihre besten Jahre versäumen, ungenutzt? Sie markierte die infrage kommenden Lieferanten und sandte die E-Mail ab. Bald wohl würden die ersten Angebote eingehen, die sie dann durchschauen musste, um die günstigsten dem Herrn Renner vorzulegen, vermutlich gab es schlimmere Jobs.
Diese lästigen Werbebanner immer, wieder tauchte einer auf dem Bildschirm auf, schmucklos, rote Schrift auf schwarzem Grund, roter Rahmen. Sie wollte ihn wegklicken, hielt aber inne. Was war das für ein seltsamer Text? »Verbotene Träume, verborgen in der Tiefe der Seele, drängen ans Licht.« Mehr stand da nicht. Was sollte das sein, Werbung für eine Sekte oder etwas Pornografisches? Ein rotes Symbol, rund, nicht ganz geschlossen, man hätte es für einen breiten Armreif halten können, führte weiter, aber wohin?
Sie stand vor einer verschlossenen Tür wie vor einer Spelunke im Rotlichtviertel oder einem verwunschenen Schloss, möglicherweise vor einer Kirche, die sie aber nicht hätte betreten wollen. Aber weshalb nicht doch mal schauen, es war kein Risiko, sie konnte die Seite einfach wieder verlassen, niemand würde wissen, dass sie da gewesen war. Sie klickte das Symbol an, der Bildschirm wurde schwarz, im nächsten Moment erschienen in großer roter Schrift die Worte: »Haus Justine.« Darunter stand kleiner zu lesen: »Die Schatten suchen das Licht, die Träume wollen Wirklichkeit werden, bang zittert das Herz. Du weißt, wer du bist, und weißt es nicht, du ahnst, dass es in dir noch eine andere gibt, die du fürchtest und die dich fasziniert. Willst du sie kennenlernen, dann gib deinen Namen und ein Passwort ein.«
Offenbar waren nur Frauen angesprochen, doch wie wollte man im Internet die Geschlechter sortieren, da jeder den Namen eingeben konnte, den er wollte, Männer sich als Frauen ausgaben und umgekehrt. Es wurde immer obskurer, wieso sollte es noch eine andere in ihr geben, wer sollte das sein, wieso sollte sie sich vor ihr fürchten? — Nun ja, es war wohl die, die sich von Helen faszinieren ließ, und die, die mit dem Leben hier im Büro nicht zufrieden war, die, deren Anwesenheit sie plötzlich mehr als ahnte, deren sie sich fast sicher war.
»Was hast du denn da?« Sibylle kam zu ihr her, eine ihrer drei Kolleginnen, eine hübsche Frau um die dreißig, langes blondes Haar, breites Gesicht, volle Lippen. Sie war der Traum der Lagerarbeiter, die draußen in den Hallen mit flinken Staplern die Paletten mit Karton hoch übereinanderstapelten und zum Versand wieder heraussuchten; kam einer von ihnen ins Büro, wurde sie als Erste mit Stielaugen angestarrt, stets wusste sie ihre üppige Figur zur Geltung zu bringen. Heute trug sie ein kurzes schwarzes Kleid, tief ausgeschnitten, die langen Beine wurden von schwarzen Strümpfen umhüllt, wie immer stöckelte sie auf hohen Absätzen einher.

Schnell klickte Cornelia die Seite weg, als müsse sie sich ihrer schämen. »Nur Werbung.« Ob sie die Rechnungen schreiben könnte, bat Sibylle und schwenkte einen Stapel Lieferscheine, sie selbst habe schrecklich viel zu tun, wisse kaum noch, wo sie anfangen solle. Cornelia tat ihr den Gefallen, war froh darum, etwas zu tun zu haben und auf andere Gedanken zu kommen.
Bis zum Abend waren die Rechnungen geschrieben und die Angebote der Lieferanten gesichtet, ausgedruckt, sortiert, konnten dem Chef vorgelegt werden. Er saß in seinem Büro, das im gleichen lichten Blau gehalten war wie das »seiner Damen«, und fast so groß, fast leer. Es gab nur einen imposanten Schreibtisch aus Mahagoni, in der andern Ecke einen runden gläsernen Tisch mit vier ledernen Stühlen. Sie legte die Ausdrucke auf die rötlich schimmernde Schreibtischplatte und er bedankte sich freundlich, als habe sie mehr als nur ihren Job getan, seine Hand berührte die ihre wie zufällig, wollte sie umfassen, doch entzog sie sich und Cornelia trat einen Schr…

you may also like

The best selection for you.

the newest

Previous
Next