Berlin ist für Lovers

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Berlin ist für Lovers

Verführt von einem rätselhaften Pärchen, erinnert sich eine junge Frau an Begegnungen voller Leidenschaft, Sex und Komplikationen.

Aus dem Englischen übersetzt:
„Berlin is for Lovers”

***

Ich wache am späten Nachmittag im schummrigen Schein einer Edison-Birne auf. Es ist Winter und das Tageslicht verblasst bereits. Nadine schnappt sich ein Handtuch vom Boden und tapst mit schwingenden Hüften leise zur Dusche. Ich greife über den Rand der Matratze nach den Zigaretten und zünde mir eine an. Stefan öffnet die Tür in seinem langärmeligen T-Shirt und seinen Boxershorts, beides makellos weiß, bizarr engelsgleich – was nicht weiter von der Realität entfernt sein könnte. Alexander, mein bester Freund, schlendert herein und setzt sich neben mich aufs Bett, greift nach den Zigaretten. Stefan macht Tee, während ich auf dem Boden nach meiner Jeans suche und meinen Pullover anziehe.

Später fragt Alexander, wie es mit meinen „rätselhaften deutschen Liebhabern“ laufe. Na ja…

Ich treffe Stefan zum ersten Mal, als er Alexander besuchen kommt. Wir beide leben zusammen in einem Studentenwohnheim. Das besagte Wohnheim ähnelt einem sowjetischen Hotel; neu, aber schonungslos trist mit beigen Vorhängen und Einzelbetten. Alexander hat mir gerade den Topfhaarschnitt verpasst, der meinen finalen Schritt in den Bereich der Techno-Ästhetik signalisiert. Es steht mir und er ist sehr stolz auf sich. Mir fällt einen Hauch von lächelnder Absicht auf, als er mich Stefan vorstellt, den ich augenblicklich mag.

Er ist groß, mit der V-Figur, die mir an Männern gefällt. Lange Gliedmaßen, die schlichte Garderobe eines Designprofis, sein Auftreten nachdenklich und doch mit einer verspielten Dunkelheit. Dunkle Augen und Haare, glatte, olivfarbene Haut, er ist eine launische und verschlossene Seele (wie ich noch herausfinden würde), aber mit einem Sinn für Humor, der in seinen Augen aufblitzt, wenn er spricht. Er reist früh nach Berlin ab – aus nicht genannten persönlichen Gründen, einer dringenden Situation, um die er sich kümmern müsse.

Meine erste Begegnung mit den rätselhaften deutschen Liebhabern findet einige Monate später in einer kalten Berliner Winternacht Anfang Januar statt.

Meinen allerersten Silvesterabend in Berlin habe ich mit Alexander verbracht (der erste von vielen, wie sich später herausstellt). Er rasiert mir den Kopf auf Stufe 1. Es ist krass, aber zum Glück steht es mir. Ich liebe es, ich fühle mich wie ein ganz neuer Mensch, einer, der hierhergehört, in diese expressiv-explorative Stadt.

Den frühen Teil des Abends verbringen wir in der Wohnung seiner Bekannten Sina; einem magischen Ort, an dem es abgesehen von einem traditionellen Kachelofen in der Ecke des Raumes keine Heizung gibt. Die Bewohner haben die Wohnung schön eingerichtet, ein Labyrinth aus Räumen (alles Durchgangszimmer, kreisförmig miteinander verbunden) mit kunstvoll restaurierten alten Möbeln, die Fenster haben sie selbst notdürftig doppelt verglast. Viele Pflanzen, hohe Decken und Wände mit halbabgerissenen Tapeten, die einen fleckigen Putz zum Vorschein bringen. Als Effekt wirkt das bröckelnde Kreuzberger Gebäude wie eine geheime Grotte in der Wildnis, von außen streng und grau, von innen voller Wunder.

Sie zünden Kerzen an, ein paar Leute spielen Instrumente und singen; wir trinken billigen Wein im großen Wohnzimmer mit Möbeln von der Straße. Als das Feuerwerk losgeht, ist die Atmosphäre berauschend, wie eine geheime Sekte oder ein Geheimbund. Ich hatte noch nie eine gemütlichere Party besucht. Alexander steht nicht sonderlich auf diese Art von Musik und Stimmung, aber ich finde sie bezaubernd. Gegen Mitternacht rennen wir die Treppe hinunter, um zu sehen, wie sich der Himmel mit funkelnden Explosionen füllt. So etwas habe ich noch nie gesehen, eine Atmosphäre gefüllt mit Rauch und Schießpulvergeruch, Menschen, die auf der Straße aus Müll Feuer machen, überall Feuerwerk, in schwindelerregendem Tempo. Die Anzahl der Menschen, die allein auf dieser kleinen Straße Böller zünden, ist zu groß, um sie zu zählen, es herrscht Chaos und der Himmel ist hell, erfüllt von Rauch und Feuer.

Schließlich kriegt Alexander, was er will; gegen fünf Uhr morgens gehen wir alle in einen Club und tanzen in den Tag hinein.

Zurück in der magischen Wohnung klettern die Pflanzen die ganze Wand von Sinas Schlafzimmer hinauf, wie ein Winterdschungel. Mein Kopf ist benebelt und es ist eiskalt. Ich kann meinen Atem sehen, als ich mich irgendwann am Nachmittag zum Schlafen zusammenrolle und eine Handvoll Kondome am Rand des Bettes bemerke. Ich denke an die Möglichkeit eines Abenteuers, an Sex und Freiheit.

Ein oder zwei Tage später (die Uhren ticken hier anders) verabreden wir uns mit einer Gruppe von Freunden, darunter Nadine und Stefan, in einer unserer Lieblingsbars in der Nähe von Alexanders Haus.

Es ist alles Alexanders Schuld, er hat mir den Floh ins Ohr gesetzt, dass Stefan mich attraktiv findet und, dass die beiden gelegentlich Mädels aus dem Club mit nach Hause nehmen. Ich habe Nadine noch nie zuvor getroffen, aber die Anziehungskraft ist sofort spürbar. Sie ist eine umwerfende Make-up-Verweigerin…

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